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Tradition

Tradition:

In Roderath wird seit vielen Jahren die Tradition gepflegt, so z.B. beim:

Hahnenköpfen:
„Hahne Köppen“ ist ein, aus dem Mittelalter stammender Brauch. Ein ordnungsgemäß getöteter Hahn, der mit dem Kopf nach unten in einem Korb ohne Boden befestigt und mit einem Seil auf Augenhöhe gebracht wird. Alle Junggesellen, dürfen mit einem, an der Hand befestigten, stumpfen Säbel, einen gezielten Schlag auf den Hahn durchführen. Natürlich nicht ohne zuvor, zwecks „Treffsicherheit“ einen Schnaps (Zielwasser) getrunken zu haben. Je nach Treffsicherheit kann sich das Zeremoniell über mehrere Stunden hinziehen. Wem der entscheidende Schlag gelingt, der wird Hahnenkönig und darf sich eine Hahnenkönigin auswählen.

Um den geselligen Charakter hervorzuheben, wird Kaffee und Kuchen sowie Getränke angeboten, die die Frauen aus dem Dorf backen und stiften.

Untermalt mit einer Musikkapelle, ziehen die Junggesellen, mit ihrem Hahnenkönigspaar, begleitet von den Dorfbewohnern, durch das Dorf. Der Hahnenkopf wird dabei auf dem Säbel als Trophäe vom Hahnenkönig präsentiert. Hierbei werden ausgewählte Objekte, meist Neubauten oder Zugezogene, getauft, wobei Verpflegung und Getränke serviert werden. Zum Abschluss, in oftmals angetrunkenem Zustand, erfolgt dann der Ausklang im Kirmeszelt oder Junggesellenraum.

In Roderath findet am Kirmesmontag der Hahnenkönigsball statt. Die Junggesellen lassen das Hahnenkönigspaar hochleben, indem sie es auf einer Bank hochheben. Eine oftmals wackelige Angelegenheit. Der Hahn wird zu Gunsten des Hahnenkönigs versteigert.

Anmerkung:

Zeitweise gab es Proteste gegen den Brauch, der von Gegnern als „Leichenfledderei“ angesehen wurde. Letztlich setzte sich aber die Brauchtumspflege durch.

Geschichte:
Es gibt zwei Versionen.

1. Der Hahn galt im Mittelalter als Symbol des Bösen und als schädigender Erntegeist, der sich in der letzten Garbe des geernteten Getreides flüchtete. Dieser Geist soll durch das Töten des Hahnes „Hahne Köppen“ besiegt werden.
2. Aus dem 19. Jahrhundert, als Napoleon, mit seinen Truppen Deutschland besetzt hielt, gibt es diese Version. Der „gallische Hahn“ galt und gilt als Symbol für Frankreich , durch das „Hahne Köppen“ sollte deutlich gemacht werden, dass man sich nicht unterwerfen wollte.

Neujahrskränze Karten:

Jährlich vor Silvester werden die Neujahrskränze ausgekartet. Neujahrskränze gelten als Glücksbringer, sie sollen vor Krankheit, Unglück und Hunger schützen. Übriggebliebenes Gebäck wurde an die Nutztiere verfüttert, um so Unheil abzuwenden.

Mit maximal 5 Personen wird ein Team gebildet, das mit „Sebeschröm“ die Kränze auskartet. „Sebeschröm“ gleich sieben Striche, alternativ 4 Streichhölzer, die zu einer römischen 7 gelegt werden. Neuerlich nutzt man auch einen Würfel. Mit 4 Karten die jeder Spieler erhält, wird ein Kranz ausgekartet. Hierbei sind die 10, 9, 8 u. 7 die höchsten Karten. Die vorgelegte Karte muss bedient werden. Ist das nicht möglich, muss eine der anderen verfügbaren Karten abgelegt werden. Jeder Verlierer muss, nach der Spielrunde, einen „Schroom“ Strich, Streichholz oder Würfelzahl abziehen. Es kann auch geklopft werde. Der Spieler, der glaubt das Spiel zu gewinnen kann klopfen, es kann mehrfach geklopft werden. Für jeden „Klöpper“ (Klopfer) wird dem Verlierer ein „Schrom“ abgezogen. Der Jenige der nur noch einen Strich, Streichholz oder Würfelzahl hat, ist automatisch Klöpper. Wer mit ihm „geht“, weiter kartet und verliert, muss entsprechend 2 „Schröme“, oder bei mehrmaligem klopfen, entsprechend mehr, von seiner Zahl abziehen. Der Gewinner der Runde erhält einen Kranz. Das Geld hierfür wird zuvor bei den Spielern, anteilig eingesammelt.

Der Kranz wird unterschiedlich gestaltet, als Kranz, Zopf oder Brezel, ohne oder mit Zucker, auch mit Mandeln oder Marzipan. Hier in der Region, maßgeblich als Naturkranz.

Kirmes:

Die Kirmes hat ihren Ursprung von der Kirchweihe. Bei der Einweihung einer Kirche oder Kapelle wurden Reliquien von ausgesuchten Heiligen im Altar eingelassen, in Roderath die des hl. Antonis dem Einsiedler (Kapellenpatron) und die des hl. Maternus. Zur Einweihung kam in der Regel eigens der Bischof.

Im Laufe der Jahre, wandelt sich das Bild und die Kirmes wurde zum Volksfest mit Tanzveranstaltungen, Karussells und Krambuden. Nicht selten wurde der ursprüngliche Einweihungstermin, der meist im Herbst, nach der Ernte, angesetzt war, verlegt, so auch in Roderath. Hier wurde der ursprüngliche Oktobertermin, wegen Überschneidungen mit den Orten Bouderath und Holzmülheim, auf das 4. Wochenende im Juli verlegt.

Früher wurde die Kirmes als Familienfest gefeiert und die Verwandtschaft eingeladen. Man feierte gemeinsam die Kirmesmesse und anschließend den Frühschoppen. Nicht selten kam es vor, dass die angetrunkenen, vom Frühschoppen heimkehrenden Junggesellen, angelockt vom Geruch des vorgeschmorten Bratens, diesen entwendeten und die Hausfrau bzw. die Gäste das Nachsehen hatten.

In Roderath beginnt die Kirmes bereits freitags mit dem Reibekuchenfest, dass sich mittlerweile zu einem Kult-Fest etabliert hat. Bei gutem Wetter wird draußen vor dem Festzelt gefeiert.

Früher wurde samstags die Kirmes bzw. der Kirmesknochen ausgegraben

Die ursprüngliche Bedeutung des Kirmesknochen (Kuhschädel) war das frühere heidnische und freie Leben. Er kündete an, dass jetzt wie in der heidnischen Zeit einige Tage voller Ausgelassenheit und Lust anbrechen sollten. Das düstere Mittelalter mit der Moralvorstellung der Kirche hatte das Leben der Menschen sehr eingeschränkt.

Mit Begleitung der Musikkapelle zogen die Junggesellen und die Feuerwehr durch das Dorf, zu der Stelle wo dem Brauch nach, im vergangenen Jahr der Kirmesknochen vergraben wurde. Mit ihm und den am Straßenrand wartenden Kirmesgästen "Gellog"* ausgesprochen "Jeloch", zog man dann gemeinsam ins Festzelt zum Kirmesball. Diese Tradition wurde leider eingestellt.

Sonntags beginnt die Kirmes mit Festgottesdienst, anschließender Kranzniederlegung am Ehrenmal und gemeinsamer Festzug zum Frühschoppen im Festzelt. In den wenigsten Fällen wird noch Besuch eingeladen und beköstigt. Das Mittagessen wird meist an der Imbiss-Bude eingenommen. Zum traditionellen Hahne-Köppen trifft man sich dann wieder mit Bekannten und Verwandten zu Kaffee und Kuchen. Wenn der Hahnenkönig ermittelt ist zieht man durch das Dorf zur Häusertaufe mit Abschluss bei den Junggesellen.

Montags lädt der Ortsvorsteher, zur Freude der Dorfbevölkerung, zum gemeinsamen Frühstück ein.

Abends, dann der Hahnenkönigsball mit Ehrentanz, Hahnenversteigerung und zu später Stunde wird dann die Kirmes, zu früheren Zeiten der Kirmeskochen begraben. Man nimmt die Papiertischdecken aus dem Festzelt, mummt sich ein und zieht singend zum Dorfplatz, wo die Kirmes (Decken) dann, mit Trauergesang, verbrannt werden. Anschließend sucht man sich ein Kosthaus, bei dem bis in die Morgendämmerung, in gemütlicher Atmosphäre Eier gebacken und weiter getrunken wird.

Maisingen:

Auch das "Maisingen" ist ein alter Brauch, vermutlich aus dem Mittelalter, wo seinerzeit Kinder und Jugendliche, von minderbemittelten Familien von Haus zu Haus gingen und um Gaben bettelten.

Später wurden von den Junggesellen, die singend von Haus zu Haus zogen, maßgeblich Eier gesammelten, die dann anlässlich der Versteigerungen der Jungfrauen, in der Mainacht, gekocht oder auch gebraten wurden. Die Tradition von der Versteigerung der Jungfrauen wurde leider, eingestellt.

Ursprünglich war es so, dass in der Gaststätte, von einem, zuvor bestimmten Auktionator, ein Mädchen aufgerufen wurde (die Mädchen waren nicht anwesend). Der Meistbietende erhielt den Zuschlag und durfte dann, das ersteigerten Mädchen zum „Maiball“ ausführen. Der Auktionator bemerkte sofort, wenn jemand besonderes Interesse an dem zur Versteigerung anstehenden Mädchen hatte, dann trieb er bewusst den Preis in die Höhe, um viel Geld in die“ Maikasse“ zu bekommen. Insbesondere dann, wenn es sich um auswertige Bieter handelte. Gemeinsam wurde vom sogenannten „Maijelooch“( Maigelage), den gesteigerten Mädchen, ein mit „ Fändeln“ (farbigen Papierbändern) geschmückter Maibaum „gestochen“ (angebracht).
Fanden Mädchen keinen Abnehmer (Steigerer) dann kamen die Namen in einen Topf, meist waren es alte „Juffern“ Jungfrauen. Dann wurde der gesamte Topf versteigert. Der Höchstbietende durfte dann mit mehreren Frauen zum „Maiball“ gehen.

Mangels Junggesellen war die Tradition lange Jahre ausgesetzt, bis dann die Löschgruppe den Part des Maisingens wieder aufleben ließ. Neben Eiern wurde jetzt auch Geld gesammelt, das dann einem sozialen dörflichen Zweck zugeführt wurde. Die Eier wurden gekocht und beim gemütlichen Beisammensein verzehrt.

Seit einigen Jahren ist der Junggesellenverein wieder überaus aktiv und führt die Tradition gemeinsam mit der örtlichen Feuerwehr durch.

Hier einige Projekte die mit den Geldern realisiert wurden.

- Anschaffung eine Florian-Fenster in der Kapelle
- Anschaffung eines Defibrillators für die Wartehalle
- Aufstellen eines neuen Hagelkreuz
- Errichtung der Wartehalle
- Errichtung einer Loore, als Erinnerung an den ehemaligen Marmorbruch
- Beschaffung von Dorffahnen
- Beschaffung einer Junggesellenfahne
- Beschaffung einer Standrate für die Löschgruppe
- Und viele weitere kleinere Projekte

Seit einigen Jahren ist der Junggesellenverein wieder überaus aktiv und führt die Tradition gemeinsam mit der örtlichen Feuerwehr durch.

Mailied:

He komme mir jejange,
Rosen dats sen Blümelein,
die Eier zo empfange,
vieva Jong die lustig sein

Klömmt ens op der Heustall,
Rosen dat sen Blümelein.
Die Höhne läje öveall,
vieva Jong die lustig sein

dot üsch ens jät zaue,
Rosen dat sen Blümelein.
Sons jo mir die Eier klaue
vieva Jong die lustig sein


* Geloog (auch Gelog, Jeloge, Jeloch, Jelooch, Geloch, Jelach, Jeläch, Gelag) ist ein aus dem Mittelalter stammender Begriff mit vielen auf ein geselliges Zusammensein bezogenen Bedeutungen: Treffen, Trinken, Gilde, Gruppe, Gemeinschaft, Bruderschaft, Schmaus; aber auch verächtlich Saufkompanie. Im übertragenen Sinne steht es auch für Rechnung / Zeche.

Hahneköppen

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Kränzekarten

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"Hahneköpfen"

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